Über den Sinn des Fiebers

"Fieber ist keine Krankheit, sondern eine großartige Leistung des Organismus, sich aktiv gegen den Angriff vorzüglich fremder Erreger (Bakterien, Viren) zu wehren.
Insbesondere bei Kindern ist die Fähigkeit schnell, leicht, hoch und kurz (1-3 Tage) zu fiebern, ein Ausdruck von guter Gesundheit"

Dr. med Friedrich Graf
 
Ein alter griechischer Heiler sagte einmal: "Man gebe mir die Macht Fieber zu erzeugen und ich heile alle Krankheiten."
Wir sollten deshalb diese "urmenschliche Abwehrleistung" von Anfang an fördern und nicht dämpfen bzw. unterdrücken. Diese kurze Information soll Sie zum Nachdenken anregen und Mut machen, Fieber auch einmal zuzulassen, um so die körpereigene Abwehr zu stärken.

Die Unfähigkeit zu fiebern, ist ein Mangel an Kraft"
Dr. Rüdiger Dahlke

Erste Phase

Zum Verständnis vom Umgang mit Fieber ist der natürliche Ablauf erst einmal wichtig. In der ersten Phase des Fiebers, nach dem Fremdkontakt meist mit Viren oder Bakterien, bemüht sich der Organismus um die Wärmeentwicklung durch Muskelzittern der gesamten Willkürmuskulatur und erhöhte Stoffwechselaktivität. Wir empfinden Frost, manchmal sogar Schüttelfrost. Für diese Aktivität ist ein erhöhter Energieaufwand nötig und alle nicht lebensnotwendigen Vorgänge im Körper ruhen erst mal, wie z.B. Appetit, Durst, Sprechen... Es finden auch keine Ausscheidung statt und Trockenheit dominiert (kein Schwitzen...)

Der Organismus bemüht sich, die Temperatur zu erhöhen und die Hautdurchblutung zu drosseln wobei nur die lebensnotwendigen Organe (Herz, Leber, Niere, Gehirn) besonders durchblutet werden, weshalb Kinder häufig in dieser ersten Phase blass sind und kalte Hände und Füße haben. In dieser Phase sollten sie natürliche Hilfestellungen geben, wie eine Wärmflasche und Ruhe.
Der Höhepunkt der ersten Phase ist mit über 39 Grad Fieber erreicht. Je jünger der Mensch um so höher steigt die Temperatur.

Zweite Phase

In der zweiten Phase des Fiebers reguliert sich der Körper durch Temperatursenkung und Ausscheidungen. Durch vermehrte Schweißbildung und der oberflächlichen Verdunstungskälte kommt es zur merklichen Temperatursenkung. Wir empfinden eine übergroße innere Hitze. Hier sollten sie die Bekleidung lockern und gegebenenfalls die Plastikwindel entfernen. Wichtig sind noch Fasten, Ruhe und Förderung der Ausscheidung durch genügend Flüssigkeitszufuhr. Ein Darmeinlauf kann lindernd wirken. Wadenwickel sollten erst ab 39 Grad gemacht werden und nur bei warmen Extremitäten.

Temperaturen bis 37,5 Grad gelten als normal, darüber bis 37,9 Grad als erhöht und erst ab 38 Grad als Fieber.

Wie hoch darf das Fieber steigen?

Den Fieberanstieg zu begrenzen ist ebenso Ausdruck von gesunder Abwehrkraft und Stabilität, wie die Fähigkeit auf über 40 Grad zu steigen.

Dass ein Kind Fieber hat, erkennen und fühlen Eltern schnell und leicht. Während des Fiebers des Kindes ist seine Verfassung und sein Verhalten ausschlaggebend.

Es ist keine Seltenheit, dass stabile Kinder akut Fieber über 40 Grad entwickeln können und dann entweder zur Ruhe kommen und schlafen oder aber auch phasenweise zu spielen.

Hier ist keine besondere Maßnahme notwendig, außer der Beobachtung und Abschirmung des Kindes von allzu großer Reizüberflutung.

Allgemein bekannt ist ja auch, dass Kinder nach einer fieberhaften Erkrankung oder einer durchgemachten Kinderkrankheit einen deutlichen Entwicklungsschritt machen.

Wichtig für das fiebernde Kind sind liebevolle Fürsorge und Ruhe.

Bei der homöopathischen Behandlung ist noch Geduld vonnöten, denn das Fieber zeigt ja nur an, dass der Körper sich mit einer Krankheit auseinandersetzt. Man sollte also abwarten was dahinter zum Vorschein kommt, und nicht zu früh eingreifen, auch nicht mit homöopathischen Mitteln.

Wichtig ist gerade in den ersten drei Tagen keine fiebersenkenden Arzneien zu geben, um dem Organismus die Möglichkeit zu geben, alleine über den Infekt zu kommen.

Was ist ein Fieberkrampf ?

Ein Fieberkrampf ist eine an sich seltene, heute jedoch auffällig zunehmende Störung in der Fieberentwicklung. Er versetzt Eltern häufig in große Angst, ist aber in den meisten Fällen harmlos. Studien zufolge sind 2-4% aller Kinder mindestens ein Mal vor dem 5. Lj. davon betroffen. Er kann bei Kleinkindern bis zum 5.Lj. in der ersten ansteigenden Fieberphase auftreten und da häufig bei erst gering ansteigenden (38-39 Grad) Temperaturen.

Das kindliche Gehirn reagiert aufgrund seiner Unreife noch wesentlich empfindlicher auf Temperaturerhöhungen als später, man spricht auch von einer niedrigen Krampfschwelle im Kindesalter. Die Anfälle halten in der Regel nur wenige Minuten an. Je nach Symptomlage können auch hier homöopathische Mittel eingesetzt werden. Nach dem erstmaligen Auftreten eines Fieberkrampfes ist eine homöopathische Behandlung dieser Grundstörung, bzw. dieser Störung in der Fieberentwicklung zu überlegen bzw. anzuraten.

Fieber ist die natürliche Waffe des Organismus, um sich gegen die Krankheitserreger zu wehren"
Dr. med W. Goebel
 
"Angeborene vererbte Krankheiten werden oft besser nach einer fieberhaften Erkrankung oder verschwinden ganz."
aus "Kindersprechstunde" v. Dr. med W. Goebel

Fieber ist ein Zeichen gesunder Abwehrkraft!

Eine Vielzahl von wichtigen Reaktionen für die Aktivierung der körpereigenen Abwehr werden erst durch das Fieber in Gang gesetzt.

Die Gabe von Antibiotika unterbricht diese Eigenfähigkeit. Abgesehen davon, dass Antibiotika gegen die häufiger beteiligten Viren nicht wirksam ist. Oft wird schon bei einer Temperatur von knapp über 38,5 Grad ein Zäpfchen gegeben. Und wenn dann noch ein entzündlicher Befund festgestellt wird, kommt gleich noch ein Antibiotikum hinzu. Für einen eigenen Umgang mit der Krankheit bleibt dem Organismus dabei nur wenig Möglichkeit, sich frei zu engagieren. Hinzu kommt, dass einem solchen Organismus im Ernstfall die "Elastizität" und "Übung" fehlt, mit schwereren Aufgaben fertig zu werden, als es die fieberhaften Infekte des Kleinkindalters sind.

Wichtig ist letztendlich, dass sie trotz oder gerade wegen der vielen Medikamente, die es heute für jede auch noch so kleine Erkrankung in der Apotheke zu kaufen gibt, das Vertrauen in die Abwehrkräfte und das Vertrauen auf die natürlichen Heilungskräfte ihres Körpers wiedergewinnen.

"Die Abwehrkraft Ihres Kindes ist so gut wie Sie es ihm zutrauen!"
Dr. med Friedrich Graf

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